Die Wurmkiste auf dem Balkon

Im Mai 2019 habe ich mir eine Wurmkiste zugelegt und auf dem Balkon deponiert. Diese wurde nach Anleitung zusammengesetzt und mit Starterwürmern ausgestattet.

Ganz nach unten in die Wurmkiste gehört Zeitungspapier und Pappkarton, der in Streifen gerissen wird. Alles anfeuchten und darauf das Substrat mit den Starterwürmern geben. Wenn die Regenwürmer ganz neu transportiert wurden, wartet 3 Tage, damit sich die „Kistenbewohner“ akklimatisieren können.

Vorteile der Wurmkiste

Ein Riesenvorteil ist, dass ich meine Obst- und Gemüsereste in die Wurmkiste geben kann. Kein Runterrennen zur Mülltonne; kein Gestank und Schimmel wegen sich zersetzender Lebensmittel in der Küche.
Die Kompostwürmer zerlegen alles, was sie zu futtern bekommen. Zum Dank schenken sie mir Kompost und Wurmtee, den ich verdünnt auf meine Pflanzen gebe.
Wenn die Wurmkiste richtig voll ist, wird der Regenwurmhumus gesiebt und auf meine Pflanzen auf dem Balkon gegeben.
Ein wirklich geniales System.
Ich spare mir unheimlich viel Lauferei, da die Schnittreste meiner zubereiteten Lebensmittel gleich um die Ecke verschwinden – im wahrsten Sinne des Wortes.
In vergangenen Winter waren die Jungs und Mädels wegen der milden Temperaturen die ganze Zeit über beschäftigt. Als ich die Kiste im Februar wieder in Betrieb nehmen wollte[1], wimmelte es nur so von wirklich gesund aussehenden Regenwürmern. Ich habe die Kiste geleert und „meine Heinzelmänner und -frauen“ in den Wald in die Freiheit entlassen.
Wer so fleißig war, hat sich die Freiheit allemal verdient 😉

Dieser Tage habe ich mir neue „Starterwürmer“ aus dem Komposthaufen meiner Familie organisiert und schon läuft der Betrieb wieder. Wenn’s richtig rund geht, kann ich mir auch die blöde Schlepperei mit der Pflanzenerde sparen 😉

Buchtipp zum Thema

Was gehört in die Kiste?

Kleingeschnittenes und feuchtes Material

  • Schälabfälle von Bioobst- und gemüse
  • Teebeutel
  • Blätter (keine Nussblätter)
  • Unbedruckter Karton, Wellpappe, Papier
  • zerstossene Eierschalen
  • Kaffeesatz
  • Mehl, Nudeln oder Getreideschrot (ungekocht) wegen Ablauf des Haltbarkeitsdatums oder wegen Mottenbefalls oder weil es ranzig ist
  • Biokunststoffe, die dafür zertifiziert und nach Möglichkeit zu 100% abbaubar sind
  • Gesteinsmehl (überwiegend zur Geruchsbindung)

Versucht die Materialien möglichst klein geschnitten in die Kiste einzubringen, da sich dadurch die Oberfläche erhöht und die Würmer die Reste besser verwerten können. Reste wie Zeitungspapier oder trockene Blätter solltet ihr befeuchten (Sprühflasche). Trockenes Material wird von den Würmern nicht gefressen! Am liebsten mögen die Würmer Tee – und Kaffeesatz, da es klein, strukturiert und feucht ist 😉

No-Go’s für die Kiste

Grob gesagt sind Würmer Veganer – bis auf die Eierschale 🙂
Diese Sachen sollten daher lieber in den Restmüll:

  • Knochen
  • Milchprodukte
  • Käse
  • Fleisch (lockt zudem Wespen an)
  • Gekochtes, Mariniertes und Gesalzenes
  • behandelte Schalen von Zitrusfrüchte (sind zudem in unseren Breiten wegen der fehlenden Regionalität für die Würmer schwer zu verdauen)
  • Öl
  • Hochglanzpapier
  • Chemikalien (erklärt sich von selbst, oder?)
  • Fäkalien von Tieren und Katzenstreu
  • Giftige Pflanzen (z.B. Blätter von Oleander, Dieffenbachie, Maiglöckchen, Goldregen etc.)

Optimale Bedingungen

Würmer sind robust.
Optimal sind Temperaturen zwischen 15°C und 30°C. Würmer Extremwerte sind unter 2°C und über 38°C. Auf dem Balkon bietet sich im Sommer von daher ein beschatteter Platz an. An den extrem heißen oder kalten Tagen achte ich darauf, dass Kisten zur Abdeckung auf dem Deckel und drum herum stehen. Im Frühling und im Herbst sind die Temperaturen innerhalb der Wurmkiste meistens im optimalen Bereich.
Sollte es im Winter extrem kalt sein und die Gefahr bestehen, dass die Würmer erfrieren (-2°C bis -5°C), sollte die Kiste in einem frostfreien Raum (Garage, Keller, eventuell Dachboden) überwintern. Ab 5°C bis 15°C steigt die Aktivität der Würmer wieder an.
Ab 40°C erleiden Würmer den Hitzetod, also auch hier sicherstellen, dass die Temperaturen in der Kiste darunter sind.

Eine Mischung von 80% Biomüll und 20% feuchtem Papier sind prima für das Innenleben. Würmer mögens zudem gerne dunkel 😉

Zauberwesen Wurm

Alles, was wir den Würmern zum Futtern in die Kiste legen, wird von ihnen verdaut. Zusätzlich verdauen sie die entstehenden Mikroorganismen und mineralische Zusatzstoffe (Gesteinsmehl). Daraus erzeugen sie Wurmkot, der aussieht wie kleine Krümmel und eine stabile Masse ergibt. Wurmkot ist somit Wurmkompost oder Wurmhumus in Kleinstform. In einem Jahr kann die Wurmkiste zwischen 80-200 Liter Biomüll verwerten (wow, soviel weniger laufen wir zur Komposttonne) und ca. 15-30 Liter Wurmkompost erzeugen.

Den könnt ihr dann einfach oben auf eure Pflanzen ausbringen, die genauso begeistert sein werden, wie ihr.

Kompost-Ernte

In meiner Wurmkiste war ein Gitternetz beigelegt, aber es gibt scheinbar auch Ausführungen mit Erntekiste…

Das Netz wird in die Kiste gelegt, sobald ein Füllhöhe von ca. 15 cm erreicht ist. Die Würmer werden nun weiter gefüttert, wie gewohnt, wandern aber durch das Gitter nach oben in die Kiste.

Tipp der Wurmkiste.at

Eine Woche vor der Ernte die Würmer mit Polenta (Maisgries) füttern, dann kommen noch mehr Würmer nach oben 😉

Sobald die Kiste fast voll ist, befindet sich der Großteil der Würmer oberhalb des Netzes. Das Erntenetz mit den Würmern und den darauf liegenden Biomüll kann entnommen werden. Jetzt wird der Wurmhumus entnommen. Vereinzelte Würmer, die ihr noch findet, können zurückgelegt oder in den Beeten verteilt werden.
Anschließend werden die Würmer und der Biomüll ohne Gitter zurück in die Kiste gegeben und ein neuer Durchgang startet.

Quellen:

  • Betriebsanleitung für die Wurmkiste von Wurmkiste.at
  • Heistinger, A & Grand, A (2014): Biodünger selber machen. Regenwurmhumus. Gründüngung. Kompost. löwenzahn Verlag

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