Was hab ich mir denn nur dabei gedacht?

Das Problem eines Balkons zum Thema Selbstversorgung ist definitiv, dass die Fläche begrenzt ist. Somit gibt es nur eine Chance, damit ich soviel Fläche wie möglich nutzen kann: Hochstapeln…

Seit heute sieht es auf meinem Balkon so aus:

Da für mich die Zweckmäßigkeit im Vordergrund steht, habe ich mich für Stecokisten entschieden. Ich habe sie vor einigen Jahren preiswert von einem Biogroßhändler erstehen können, da das System „ausgelaufen ist“ und der Großhändler umrüsten musste. Da ich Gärtnern in Stecokisten bereits in Berlin in den Prinzessinnengärten wahrgenommen hatte, war ich sofort begeistert, zusätzlich Gartenflächen auf Stein einrichten zu können.

Klar kann mensch auch alte Weinholzkisten nutzen oder generell Pappkartons. Über letztere werdet ihr euch aber vermutlich im Laufe der Zeit genauso ärgern, wie ich.

Im ersten Jahr kam die Frustration, da ich das System ähnlich gefüllt hatte, wie ich es in Berlin gesehen hatte: einfach Erde in die Kisten.

Sehr schnell stellte ich fest, dass die Kisten im Sommer austrocken, da das Wasser zu allen Seiten abläuft. Im Laufe der Zeit wird zusätzlich die Erde ausgespült.

Im letzten Jahr habe ich dann einen neuen Versuch mit passgenauen Pappkartons aus den Supermärkten gestartet. Damit hatte ich zwar das Problem mit der Erde gelöst, aber nicht unbedingt mit dem Wasser. Zusätzlich sind die Pappkarton permanent nass und lösen sich mit der Zeit auf…

Im Herbst habe ich alle Pflanzen zum Überwintern umgepflanzt und in die Kisten Plastiktüten (Blauer Engel, kompostierbar) in die Kisten gelegt und mit Erde gefüllt. Mir ist durchaus bewusst, dass dies keine optimale Lösung ist, da in den ollen Tüten immer noch genügend Stoffe erhalten, die ich am liebsten löschen würde…

Vielleicht starte ich noch mal einen Versuch mit Papier-Inlettsäcken für die Biotonne :/
Aber vielleicht habt ihr auch ne zündende Idee 😉 ?

Hochstapler

Auf alle Fälle habe ich nun zwei Tage damit verbracht, die Kisten einigermaßen dekorativ aufzutürmen. Die erste Lösung passte gar nicht – stylemäßig :/

Plötzlich hatte ich dann die „Pyramidenidee“: „Mehr Fläche- unterschiedlich Pflanzzonen“. Da mein Balkon im Südwesten liegt, wird es im Frühjahr und Sommer gerne richtig warm bis heiß. Also habe ich so auf der rechten Seite des Balkons künstliche „Schattenzonen“ eingerichtet. Die unteren Kisten dienen gerade dazu, diverse Pflanzen anzuziehen und noch vor den kalten Nächten zu schützen. Desweiteren habe ich im „Erdgeschoss“ Pflanzen untergebracht, die im Herbst und Winter blühen und sich nun ein wenig  zurückziehen. Die Frühlingsblüher werden über kurz oder lang ebenfalls ins „Erdgeschoss“ ziehen.

Weiterhin gibt es Kisten, in denen ich Anzuchttöpfe aufbewahre (Zur Müllvermeidung  sammle ich diese, wenn ich mir neue Pflanzen gekauft und gepflanzt habe, da ich weiß, dass ich im Frühjahr ganz viele Töpfe zur Anzucht benötige).

Das System mit dem Hochstapeln ist ein „Mini hängender Garten“, denn das Wasser, welches oben „zu viel“ ist, wird an die unteren Abteilungen abgegeben. Im letzten Jahr lief es  einfach nur auf die Balkonfliesen, was mich wirklich ärgerte.

Einige Leerkisten nutze ich gerade noch zur Aufbewahrung von Pflanzerde. Die großen Kisten werden aber in den kommenden Wochen von mir mit Gemüse bepflanzt.

Und dann gibt es da noch eine Kiste mit Rindenmulch.

Rindenmulch, auf dem Balkon???

Ja, unbedingt. In meinem Garten auf dem Lande habe ich das Mulchen sehr zu schätzen gelernt. Ihr spart gefühlt 80 % Zeit, da wenig Unkraut im Untergrund wächst. Die meisten Pflanzen und Saaten werden sich trotz Mulchens in Richtung Sonne recken, wenn ihr eine kleine Stelle über der Aussaat frei lasst, auf die Licht fallen kann.

Zusätzlich sorgt das Mulchen dafür, dass das Wasser im Sommer an Ort und Stelle bleibt und der Boden kühler und feuchter ist, als ohne Mulchmaterial. Weniger Stress für alle. Auf einem Balkon ist diese Tatsache im Sommer Gold wert. Ihr benötigt viel weniger Wasser, was sich gerade dann bemerkbar machen wird, wenn ihr hoch oben wohnt. Anstatt Wasser zu schleppen, könnt ihr die Sonne genießen.

Rindenmulch

Apropos Wasser

Zugegeben, ich bin eine „Wasserspar-Fanatikerin“ seit dem Tag, als ich in Kenia auf einer Buschtour war und quasi einen Einlauf von einer Dorfbewohnerin erhalten habe, da ich es gewagt habe, meine Hände mit dem Wasser aus ihrem Brunnen zu waschen und die Hände abzuschütteln. Das war der Tag, an dem mir bewusst wurde, wie wertvoll Wasser in einigen Ländern der Welt ist, während wir hier gedankenlos zum Wasserhahn stolzieren oder duschen, wann immer wir Lust dazu haben.

Also versuche ich Wasser zu sparen, wo es geht. Das beinhaltet, dass ich mein Obst und Gemüse in einer Schüssel mit Wasser wasche, welches ich anschließend in die Gießkanne oder direkt auf die Pflanzen auf dem Balkon gieße.
Das Wasser von den Sprossen, die ich täglich anziehe, wird ebenfalls aufgefangen und zum Pflanzen gießen genutzt. Immerhin sind im Gießwasser zusätzlich Nährstoffe von den Sprossen enthalten;)

Dünger >Wurmkiste

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema Wurmkiste findet ihr unter:
Die Wurmkiste auf dem Balkon