Ich liebe Flieger!

Ich liebe Flieger!

Keine Piloten sondern Insekten 🙂

Ganz besonders liebe ich die dicken, in Pelz gepackten Solitärbienen, namens Hummel. Das wurde mir an einem Tag in meinem Leben bewusst, als es mir wirklich schlecht ging. Ich hatte das Gefühl, die gesamte Menschheit hat sich gegen mich verschwören. An dem Tag ging ich raus in meinen Garten, der einzige Trost auf dieser Erde.

Da schwirrte sie heran, die kleine dicke Hummel und sammelte ihre Pollen ein. Völlig unbeeindruckt, von all dem Getobe da draußen. Ich beobachte sie, wie sie von Blüte zu Blüte schwirrte und war beeindruckt, wie viele Pollen in ihre Pollenhöschen passten. Sie schaffte es bald kaum noch, überhaupt noch nach oben zu fliegen. Aber sie packte es irgendwie. Ich folgte ihr und schaute, wohin sie wohl fliegen würde. Sie flog in ein Erdloch und bald darauf kam die nächste Hummel heraus und arbeitete weiter.

Legt man die aerodynamischen Gesetze zugrunde, könnte man glauben, ein Insekt wie die Hummel mit ihrem schweren gedrungenen Körper und den relativ kleinen Flügeln könnte überhaupt nicht fliegen. […]
Wie kommt es nun, daß die Hummel anscheinend den aerodynamischen Gesetzen trotzt? Das liegt vor allem an der Geschwindigkeit ihrer Flügelbewegung: 200mal pro Sekunde schlägt der Hummelflügel; damit erzeugt das Insekt eine größere Flugkraft und aufgrund des sich ständig ändernden Flächenprofils einen weitaus größeren Auftrieb…

Rowland-Entwistle (1978:69f)

An dem Tag habe ich mich in die Hummeln verliebt und mich gefragt, was ich den kleinen, possierlichen Insekten zum Überleben anbieten kann. Also fing ich an zu beobachten, zu recherchieren und zu lernen.

Beobachtung: Welche Blumen fliegen Hummeln an?

Recherche: Wo leben sie, wie vermehren sie sich und wie kann ich zur Unterstützung Nisthilfen anbieten?

Diesen Punkt finde ich in der Stadt ganz besonders wichtig 😉

Los geht‘s

Hummeln, lateinisch Bombini – ist das nicht ein niedlicher Name? – zählen mit etwa 200 Arten (laut Rowland-Entwistle, 1978:92) zu den nahen Verwandten der Honigbienen. Sie sind staatlich organisiert, obwohl viel weniger staatlich als die Honigbienen (z.B. Apis mellifera). Ein Volk umfasst nie mehr als einige Hundert Hummeln. Honigbienen dagegen sind zu Tausenden. Ich hatte selber mal ein Apis mellifera Volk und war gelinde gesagt, sehr beeindruckt von deren „Stärke“.

Hummeln überleben nur einen Sommer. Im Herbst sterben alle Hummeln, bis auf das begattete Weibchen, die Hummelkönigin. Sie ist die erste, die ihr draußen sehen könnt, sobald der Winter vorüber ist. Im Gegensatz zu den „Warmduscher Bienen“, die erst bei ca. 12-14 °C ihren Stock verlassen, starten die Bombinis sehr viel früher los. Du kannst sie an sonnigen Tagen draußen finden. Heute Morgen hatten wir hier in Oldenburg 3°C, gefühlt – 5°C (laut Wetter App) und ich habe eine Hummel auf meinem Balkon Pollen auf den Zwerghyazinthen sammeln sehen.

Sie verziehen sich auch nicht gleich wieder in ihre Nester, wenn es draußen mal nass wird. Im Sommer sind es die ersten, die nach Tagesanbruch auf euren „Bienenpflanzen“ zu finden sind und garantiert die letzten, wenn die Honigbienen schon wieder in ihrem Stock verschwunden sind. Versucht es mal zu beobachten. Vielleicht seid ihr dann genauso „be-geistert“ wie ich 😉

Die Hummelkönigin – ganz bescheidener Hochadel

Im Frühling sucht die Hummelkönigin (nachdem sie ihr Erdnest, in dem sie den Winter verbracht hat, verlassen hat) eine neue Unterkunft. Die Hummelkönigin ist klug und sucht sich gerne fertige Familienunterkünfte, beispielsweise in Erdnestern von Wühlmäusen. Irgendwie steht sie generell auf den Geruch von Mäusen. Hier ein Hinweis darauf, dass alles auf diesem Planeten Sinn macht und miteinander verbunden ist.
Naja und sei‘s drum, die Maus hat die Erdarbeit für die Hummel bereits erledigt.
Vielen Dank an die Maus, die somit ebenfalls wichtig für unsere Lebensmittelerzeugung zu sein scheint. Vielleicht seht ihr Hummeln und (Wühl-) Mäuse jetzt durch andere Augen.

Nestbau

Nun beginnt die Hummel also mit dem Aufbau eines neuen Volkes. Sie baut zunächst nur ein kleines Nest und legt es mit Moos, trockenen Gräsern und Blättern aus; dann stellt sie einen „Vorratstopf“ für Honig und einen „Wachsbehälter“ her, in den sie ihre ersten Eier legt. Ihre ersten Nachkommen, die meistens ein halbes Dutzend betragen, versorgt sie selber. Allein auf sich gestellt kann sie in der ersten Zeit nicht so viel Pollen eintragen. Somit sind die ersten „Arbeiterinnen“, die nach 20 Tagen schlüpfen, eher klein und schlank. Diese können der Hummelkönigin aber bereits bald dabei helfen, die „Hütte“ auszubauen, Pollen und Nektar eintragen und die nächsten Larven füttern. Dann läuft‘s rund, zumindest, wenn draußen genügend „Bienenpflanzen“ zu finden sind.

Im Laufe des Sommers gibt es mehr und mehr Futter und immer mehr Sammlerinnen. Die ausschlüpfenden Hummeln werden von mal zu mal größer. Die Königin wird bald mitversorgt und kann sich (genauso wie die Apis mellifera seit Beginn ihrer Regentschaft) etwas „zur Ruhe“ setzen und sich nur noch aufs Eier legen konzentrieren.

abfotografiertes Foto aus Rowland-Entwistle (1978)
216: Die Larven schlüpfen nach 3-4 Tagen aus den Eiern. Arbeiterinnen bekommen in den ersten drei Tagen eiweißreiches Futter, welches die älteren Arbeiterinnen ausscheiden und mit dem auch die Königin gefüttert wird. Vom vierten Tag an gibt es Pollen und Nektar.
Am 5. Tag beginnen die Larven damit, sich zu verpuppen.
217 Anschließend verschließen die Arbeiterinnen die Zellen mit Wachs.

Vermehrung

„Die weitaus meisten Eier, die von der Königin gelegt werden, sind befruchtet. Ein kleiner Sack, die sogenannte Samenkapsel, ist mit ihrem Fortpflanzungsorgan verbunden.“ (vgl. Rowland-Entwistle, 1978:92).

Das Säckchen umfasst in etwa 4 Millionen männliche Samen, die bei der Begattung in die Fortpflanzungsorgane gebracht werden.

Nach dem Höhepunkt des Sommers – ich vermute ähnlich wie bei den Honigbienen zur Sommersonnenwende am 21. Juni- legt die Hummelkönigin sowohl befruchtete als auch unbefruchtete Eier. Aus den unbefruchteten Eiern schlüpfen die männlichen Hummeln. Einige der befruchteten Eier bekommen nun Extrakost. Aus ihnen schlüpfen später die jungen Königinnen.
Es gibt Hummelarten, bei denen auch die Arbeiterinnen befruchtete Eier legen – nur mal so am Rande zum Sicherheitsnetz der Natur. Es könnte nämlich sein, dass die Hummelkönigin verstirbt, bevor sie die neuen Königinnen legt.
Ich liebe es, zu erfahren, wie Mutter Natur an alles „gedacht“ hat.

Abgesehen von der Größe unterscheiden sich Hummelköniginnen unwesentlich von den Arbeiterinnen. Für das menschliche Auge ist es somit schwierig, sagen zu können, mit welcher Art von Fliegerin wir es gerade zu tun haben. Derzeit könnt ihr davon ausgehen, dass der „Hochadel“ unterwegs ist.

Krokusse mit Bestäuberinsekt

Leben im Nest

Die größten Hummeln erklären sich regelmäßig für die Nahrungssuche bereit – sie können, wie ganz oben beschrieben – ja auch ne Menge durch die Luft bewegen. Die kleinen Hummeln versorgen dafür das Nest und die Larven. Sie leben in einer Nest-Wohlfühltemperatur von ca. 30°C. Hummeln sind auch viel besser „gepolstert“, als Honigbienen. Für sie ist es eher gefährlich in den Temperaturverhältnissen der Honigbiene (ca. 35 ° C) zu leben. Aber genauso wie die Honigbienen greifen im Falle der Überhitzung die Hummelarbeiterin zur „Air Kondition“. Ihr seht dann viele Arbeiterinnen am Eingang, die mit ihren Flügeln kühle Luft ins Nest fächeln.

EINFACH GENIAL <3

Warum ist das wichtig zu wissen?

Wie bereits beschrieben, empfinde ich Hummeln als sehr viel fleißiger als Honigbienen. Sie sind für mich die Stars unter den Bestäubern. Das Ding mit der Selbstbefruchtung finde ich ehrlich gesagt bewundernswert.

Ich bin weit davon ab, den Fake mit den aussterbenden Honigbienen zu glauben. Das ist genauso ein Ding, wie mit allen Massentierhaltungs-, Masseninsektenhaltungs- und Monokultursystemen. Der Mensch soll seine Finger da raus lassen. Es läuft besser, wenn wir der Natur ihren Lauf lassen und aufhören, an der Stelle „Gott zu spielen“.

Sorgt einfach dafür, dass die „Flieger“ genügend Futter auf eurem Balkon in der Stadt finden. Ihr braucht sie, wenn ihr Obst und Gemüse auf dem Balkon ernten wollt. Auch dies ist ein geschlossenes System. Die Hummel kann aber gut auf Menschen verzichten, die ihr den Lebensraum streitig machen und sterile Monokulturen anbauen.

Im folgenden einige Pflanzen, auf die Hummeln / Bestäuberinsekten abfliegen und die gut für den Balkon geeignet sind.

  • Borretsch
  • Bienenfreund (Phazelia)
  • Perserklee
  • Kornblumen
  • Mohn
  • Ringelblume
  • Dill
  • Buchweizen
  • Rotklee
  • Zwerghyazinthen, Hyazinthen
  • Krokusse
  • Alle Obstblüten – auf dem Balkon vorstellbar sind das Blüten von Beerensträucher, wie beispielsweise Erdbeeren, Blaubeeren, Stachebeeren, Johannisbeeren

Nisthilfen?

Derzeit mache ich mir Gedanken über Nisthilfen auf dem Balkon. Immerhin habe ich hier keine Mausehöhlen zu bieten und mit den von einigen Naturschutzorganisationen „angesagten“ Nisthilfen bislang nur die Erfahrung gemacht, dass ich Geld zum Fenster heraus geworfen habe. Hummeln habe ich bislang keine entdecken können.

Meine Bitte an Menschen mit positiven Erfahrungen zu Nisthilfen

Teilt mit bitte in den Kommentaren mit, welche Erfahrungen ihr mit Nisthilfen für Hummeln machen konntet.

Was funktioniert wirklich und kostet möglichst wenig?

Quelle: Rowland-Entwistle, T. (1978): Was man sonst nicht sieht. Das Leben der Insekten, Tessloff Verlag, Hamburg.