Meine Gartengeschichte

Meine Gartengeschichte…oder sollte ich Balkongeschichte sagen?

Geboren wurde ich 1968.
Meine ersten fünf Lebensjahre habe ich im Landkreis Oldenburg verbracht.
Meine Großmutter väterlichseits war unsere „Nachbarin“. Sie hatte einen wundervollen Bauerngarten. Ich erinnere mich gerne an den Duft der leuchtenden, orangenen und gelben Tagetes, an Beete, die von Buchsbaum umringt waren, an den Geschmack frisch geernteter, erdiger Möhren, sonnengereifter, warmer Erdbeeren und saftige, blutrote Sauerkirschen, die in einer „Kirschbaumallee“ am Weg wuchsen und unter denen meine Cousine und ich uns im Sommer verstecken..

Ihhhhhh

Erinnern kann ich mich aber auch an die Hühner, die kopflos blutend über den Hof rannten, wenn Oma sie schlachtete. Den Geruch von nassen Federn, der entsteht, nachdem die kopflosen Hühner in kochendes Wasser gesteckt werden, um sie besser rupfen zu können. Das damit entstehende Rupfgeräusch, werde ich nie vergessen. Ebenso nicht die gebratenen Kaninchen, die im Ganzen mit Kopf und Beinen als Sonntagsbraten bei uns serviert wurden und gegen deren Verzehr ich mich bereits als Kleinkind weigerte. Ebenso erfolgreich wie gegen den Verzehr von tierischen Organen wie Herz, Leber, Bregen, Nieren und Fleisch, dass nach eben nach „Fleisch“ schmeckte.

Ich denke, all meine Erfahrungen der ersten Jahre haben meinen Lebens- und Ernährungsstil entscheidend beeinflusst.


Kurz vor meiner Einschulung pachteten meine Eltern eine Gastwirtschaft. Die daran grenzenden Stallungen und der Garten waren riesig. Es gab eine Obststreuwiese, mit vielen Apfel-, Pflaumen- und Birnenbäumen, in denen mein Bruder und ich im Sommer umher tollten. Wir tobten über Wiesen und Äcker, bauten Brücken über die Lethe, tranken Rohmilch von den Kühen unserer Nachbarn, die diese freilich noch mit der Hand molken und sprangen mit deren Katzen und Kätzchen durchs Heu.

In der alten Scheune auf dem Hof der Gastwirtschaft hielt mein Vater einmal sogar ein Schwein, welches irgendwann geschlachtet und schließlich in der Gastronomie verzehrt wurden. Im Herbst gab es Wild, welches mein Vater frisch erlegt von den heimischen Jägern bekam.

Im Laufe der Zeit stellten meine Eltern mehr und mehr auf „konventionelle Convience“ Produkte um. Es war einfach bequemer. Zudem war einer der „Lieferanten“ ein Stammgast meiner Eltern. Ich erinnere mich gut an den faden Geschmack von runden Glaskartoffeln, Gurken- und Bohnensalat mit brennend würziger Konservierungstunke aus dem 10 Liter Eimer sowie dem immer selben Geschmack von im Wasser aufgewärmtem Fleisch in Plastikbeuteln.
Mehr und mehr ging ich dazu über, Fleisch ganz zu meiden. Erst nur das fettige, graue Hähnchenfleisch, dann den Schweinebraten und schließlich auch die Saucen. Ich versuchte mich, mit frischen Lebensmitteln zu ernähren, was bei uns zu Hause ein echtes Problem darstellte.

Als ich 15 Jahre alt war – und mittlerweile mit meiner Familie in der Stadt Oldenburg lebte – las ich in der „BRIGITTE“ einen Artikel über vegetarische Ernährungsweise. Ich glaube, bis zu dem Zeitpunkt war mir nicht wirklich klar, dass ich Fleisch nicht zum Überleben brauchte. In dem Artikel (in dem sich drei vegetarisch lebende Menschen mit ihren Gründen gegen den Fleischverzehr vorstellten) wurden auch einige Rezepte vorgestellt. Dies war für mich der Beginn in eine fleischfreie Zukunft.

Das nur am Rande, da es im Grunde genommen der Schlüssel dafür war, weshalb ich mich schon sehr früh mit dem Thema: „Wo bekomme ich frisches Obst und Gemüse her?“ beschäftigt habe.

Dann wurde ich erwachsen…

…und gründete eine Familie, zog wieder in den Landkreis Oldenburg und verbrachte dort gut 20 Jahre.

Unter anderem mit dem Anlegen von Biogärten.

Meine ersten Nachbarn empfahlen mir Marie Luise Kreuter, Der Biogarten…und ab da war es um mich geschehen.

Mein erstes Selbstversorgerbeet

Seit August 2018 wohne ich in einer kleinen Wohnung in Oldenburg.

Bevor ich hierher zog, wusste ich, dass ich unbedingt eine Wohnung mit Balkon benötige, um meine Hände weiterhin „in die Erde stecken zu können“. Anfang 2019 habe ich mit dem Balkongärtnern begonnen.

Dieses möchte ich euch nun näher bringen.